25 April 2012

Vom Erdbeben zum Liebesdienst

 
Schmökerecke C.H.

In der DR auf Haitianer zu treffen, ist an der Tagesordnung. Seit dem fürchterlichen Erdbeben mutmaßt man, es seien nochmals 1 Million (also 1/4 bis 1/3 der Gesamtbevölkerung) dazu gekommen.



Ihr Beliebtheitsgrad unter Dominikanern geht Richtung Null. Bei liebesbedürftigen Gringos dagegen gegen 100.

Das folgende Gedicht handelt von einer haitianischen Liebesdienerin aus Not. Das Sprachengewirr entspricht der sprachlichen Realität hier in der DR. 

Haitianer versuchen offenbar zunächst ihre Herkunft zu verbergen, indem sie spanisch sprechen. Sobald man allerdings ins Französische verfällt, plaudern sie munter in ihrer 2. Muttersprache (sprich haitianische Amtssprache) weiter, natürlich abhängig vom erreichten Bildungsstand. 

Wenn man etwas nicht rüberbringt, geht es mit Spanisch weiter etc. Dieses Sprachgemisch erkennen Sie auch im folgenden Gedicht, einem poetischen Dialog mit einer jungen Prostituierten.
Auf deutsch ist die Verschiebung der Sprachebenen schlechterdings nicht darstellbar.

Sosua III (Pedro Clisante- Corner “Fat Herrmann”)

Dime

Mi amor

Desde quando

Estas en Sosua ?

Medio año

Dice Fabie –

C’est Fabienne,

T’es Haitienne alors.

El día 12 de enero

Toute notre maison

À Port-au-Prince

Tremble; destrucción total !

Alors, t’es là pour faire

du fric, Chérie ?

C’est ça.

J’envoie chez moi

L’argent d’amour

Par Western Union


Sosua III

Sag mal Schatz

Seit wann

Bist du in Sosua ?

Halbes Jahr

Sagt Fabie –

das ist Fabienne,

du bist also Haitianerin.

Am 12. Januar

Bebt unser Haus

In Port-au-Prince

Alles zerstört !

Dann bist du hier,

um Geld

zu machen, Liebes?

So ist es.

Ich schicke

Liebesgeld

Nach Hause

Per Western Union.


aus "Gringolyrik" von Christian Hugo
www.christianhugo.com