26 Mai 2012

Nach der Wahl kommt die Liebe - C.H.

 

Schmökerecke  C.H.


Haben Sie gedacht, dass die Schmökerecke Ihnen was zur Wahl kredenzt? 

Falls ja, muss ich Sie enttäuschen. Wir gehen direkt rüber zum Thema Liebe und Sex.


Was Schöneres, außer traumhaften Palmenstränden, kann unsre Insel Hispaniola denn bieten? Während der neue Staatspräsident sich überlegt, was er von den vielen Wahlversprechen denn echt umsetzen will, steigen wir um in ein Thema, das, oberflächlich gesehen, unverfänglich sein sollte. Aber, wie so oft, im Detail steckt der Teufel, wie Sie sehen werden. Lassen Sie uns heute beginnen mit einer Geschichte, die in einem virtuellen Hotel - Restaurant in Puerto Plata spielt. Der Besitzer ist der wackere Holländer Ruud, der vor mehr als einem Jahrzehnt aus seinem Heimatdorf in die DomRep zog, um dort sein Geld zu verdienen. Da er sein Vorhaben damals nicht alleine realisieren konnte, bat er Freunde in seinem Dorf um Startkapital. Die halfen, da sie ihm vertrauten. Schon vor etlichen Jahren hat er alles gutverzinst zurückgezahlt.

Meine Geschichte wird wie immer in der "Schmökerecke" nur zum kleinen Teil veröffentlicht. Schließlich lebt ein Autor vom Verkauf seiner Bücher. Haben Sie also bitte Verständnis. Der Auszug ist entnommen der Erzählung "Der fliehende Holländer" aus "Gringostorys aus der Karibik". Ihr Christian Hugo (www.christianhugo.com)

Wandmalerei aus Tenares "Dominikanerinnen, die einen Gringo ausgesaugt haben" (eig. Interpretation)

(…) Ruuds Nummer 3, Yadira, pflegte ihren Mann zu Zeiten im Restaurant aufzusuchen, wo möglichst viele hungrige, besser gesagt, durstige Holländer an der Bar rumhingen. Ihr Mann versorgte sie liebevoll mit Delikatessen und fütterte die kleine Alma, ihr "echtes gemeinsames Produkt", wie die sachkundigen Landsleute zu versichern wussten. Mit "Don't worry - not again!" wiesen sie Neugierige auf die bisherigen Ehepleiten des Besitzers hin und wollten damit wohl ausdrücken, dass Ruud genug gelitten habe. Punkt. Eines Abends saß die junge Mama da und aß zerstreut vor sich hin. Und der stolze Papa sah ihn nicht, den gierigen Blick von Joop, eines angeblich ehemaligen Kunstdozenten der Amsterdamer Universität. Einer der vielen Residenten, die ihren Job in der Heimat quittiert hatten, weil sie sich dem Stress des modernen Berufslebens nicht länger gewachsen fühlten. 
Joop hatte sich als Single und sparsamer Holländer ein kleines Vermögen zusammen gespart, das ihm als 60-jährigem Frührentner ein angenehmes Leben auf Hispaniola ermöglichen sollte. Vor vier Jahren auf die Insel gekommen, war er zehn Jahre älter als unser Protagonist. Bei seinem jetzigen Job als Kunstgewerbehändler in Puerto Plata hätte er hunderte Dominikanerinnen haben können. Aber nein, es musste unbedingt die Frau von Ruud sein! Zumindest dachten die Stammgäste dies. Und sahen die Katastrophe kommen. In der Semana Santa war es dann soweit. Wim aus Makkum hatte Yadira am Strand von Costambar gesehen mit dem Kunsthändler, diesem eitlen Besserwisser und Stenz. Keiner der Stammgäste mochte sein aufgeblasenes Wesen. Manche anwesenden holländischen Residenten waren aus ihren Kleinstädten und Dörfern rund um das Ijsselmeer ausgewandert, um endlich einmal "ein gescheites Meer" zu erleben und nicht nur die Zuidersee, die bekanntlich im Schnitt nur zwei Meter tief ist. Aber dieser Snob Joop war aus Amsterdam. Typisch! Was Besseres! Am gleichen Abend war der Mann aus Makkum in seinem Element. Alle erfuhren es, nur Ruud nicht. Noch nicht...

Jedoch längst nicht alle waren überzeugt, dass Yadira fremd ging. „Hab dich nicht so! Einmal am Strand gesehen! Gingen sie Hand in Hand?“- „ Nein.“ – „Siehste!“ gar trefflich stritten sie sich, die lieben Stammgäste. Wenn die Restaurantbesitzer Wind davon bekämen!? Das dominikanische Personal verstand die Sprache nicht, konnte also nicht als Zuträger dienen! Und so vergingen die Wochen. Immer wieder kam Joop vorbei, seine Blicke wanderten zum vermeintlichen Objekt seiner Begierde. 

Doch keiner der wachsamen „Watchees“ am Tresen hätte je bestätigen können, dass Yadira Joops Blicke suchte. Seltsam! „Vielleicht sollte man den Amsterdamer mal zur Rede stellen. Was meint ihr?“ fragte Wim seine Kumpel, als Joop gegangen war. „Kommissar Wim kann das am besten von uns!“ witzelte Ger aus Hoorn von der gegenüberliegenden Seite der Zuidersee stammend. Er wusste wie die meisten Holländer um die mentalen Eigenheiten der Makkumer. Stur und angriffslustig, sagt man ihnen nach, schon seit Jahrhunderten. Und Ihr glaubt es nicht, Wim übernahm den Job; aber stolz wie ein Weltmeister forderte er von jedem Kumpel einen Cuba libre. Topp, die Wette galt, und unser Kommissar fühlte sich den anderen überlegen. Zumindest bis zum Dämmerschoppen tags darauf. (…)