16 April 2012

La Isabela Vieja

 
Gedicht & Rezension.

Dieses großartige Fresko auf einer Fassade des Museums in Isabela Vieja offenbart uns humorvoll, wie aus den ehemals brutal und ohne Mitgefühl agierenden spanischen Konquistadoren friedliche Vielfalt geworden ist.





Aus den Helmen der Soldaten wurden Gefäße, in die man die bezaubernde Natur von Hispaniola bündeln kann.

Ich ermuntere alle Leser, sich mal auf den Weg Richtung Luperón zu machen. Für mich ist dies seit Langem eine Art Wallfahrt, die ich meinen Freunden nicht vorenthalten möchte. Denn hier steht eine der wichtigsten Wiegen der Neuen Welt.

Eine Oase der Ruhe für all die evtl.altmodischen Zeitgenossen unter uns, welche diesen Ort in privater Abgeschiedenheit zu besichtigen bevorzugen, statt ihn kommerziell vermarktet zu sehen. In der Bucht von La Isabela Vieja wird Sie niemand in Ihren Gedanken stören! Das ist sicher!

Stellen Sie sich jedoch einmal vor, die Amerikaner könnten behaupten, Kolumbus wäre zuerst auf nordamerikanischem Boden gelandet und nicht auf Hispaniola! Welch ein Geschäft würden die Amis daraus machen! Denken Sie an die Tricks, wie man die amerikanischen Landsleute zu weniger bedeutsamen Orten in den USA lockt!

Wieviel Geld andererseits könnten Abertausende von Touristen Jahr für Jahr in die Kassen der dominikanischen Tourismusindustrie spülen?! Ich denke da vor allem an die Passagiere der Kreuzfahrtschiffe vor Maimón, so sie die Nordküste denn echt eines Tages beglücken sollten.

Mein folgendes Gedicht vertieft den Gedanken der Vermarktung vor mehr als 500 Jahren und in einer virtuellen Zukunft:

En Hispaniola

8 diciembre 1493
Almirante
Cristóbal Colón
trasplanta
para su reina de Castilla
la esperanza dorada

En Isabela Vieja
Por tres años
la primera colonia europea,
la entrada
al Nuevo Mundo,
barcos de vela
en la Bahía
balanceando
el entusiasmo

En las Ruinas
hoy
desde el hogar de Colón
hasta la catedral
primada de América
cerca del cementerio
para católicos y paganos,
trata y extinción
de miles de Taínos

En futuro dominicano
mañana
no hay Disney World
Orlando explotando
cada teja
de tu casa
conquistador -
tranquilo
no te preocupes !


#

Auf Hispaniola

Am 8.Dezember 1493
vergräbt
Admiral
Christoph Kolumbus
Für seine spanische Königin
Die Hoffnung auf Gold
 
Auf Hispaniola
Drei Jahre lang
Die erste europäische Kolonie
Tor zur Neuen Welt
Schaukeln
Segelschiffe
Begeistert
In der Bucht

In den Ruinen
heute
Vom Haus des Kolumbus
Bis zur ersten Kirche
Amerikas
Beim Friedhof
Für Katholiken und Heiden,
Misshandlung und Ausrottung
Tausender Taínos

In der dominikanischen Zukunft
Von morgen
Liegt kein Disney World
Oder Orlando
Die jeden Ziegel
Deines Hauses vermarkten.
Beruhige Dich,
Eroberer –
Sorge Dich nicht !


Rezension in TourismWatch, von Antje Monshausen

"Gringolyrik aus der Karibik" Leben in der Dominikanischen Republik

Christian Hugo lebt an der Nordküste der Dominikanischen Republik auf der Insel Hispañola. Auf 100 reich bebilderten Seiten vermittelt der Philologe und pensionierte Gymnasiallehrer in diesem alternativen Reiseführer Impressionen vom Leben in der Karibik. Mit Gedichten auf Spanisch, Englisch und Deutsch beschreibt er die dominikanische Realität so, wie er sie erlebt. Hugo beschreibt die Mentalität und den Lebensalltag auf der Insel und arrangiert aus der Perspektive eines westlichen Residenten Einblicke in die tatsächlichen Lebenswelten der Dominikaner fernab touristischer Enklaven. Vor dem Hintergrund der aktuellen gesellschaftspolitischen Situation entlarvt er die Marotten westlicher Touristen und Einwohner, die nicht selten unreflektiertes und unqualifiziertes Verhalten an den Tag legen. Mal mit einem Augenzwinkern, mal mit erhobenem Zeigefinger und bisweilen mit recht derbem zynischem Unterton in einer sehr deutlichen Sprache gibt Hugo lyrische Gedankenanstöße, regt den Leser zum Perspektivwechsel an und animiert zu verantwortungsvollem Handeln.

Gringolyrik aus der Karibik I. Leben in der Dominikanischen Republik. 
Von Christian Hugo. 
Books on Demand, Norderstedt, 2010. 100 Seiten. ISBN 9783842342279.