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Ehemaliger Gymnasiallehrer und Stadtrat aus Wertheim meldet sich „literarisch“ aus der Karibik
Beim Lesen ist es fast so, als sitze er neben einem


WERTHEIM. Erst schickte er, rund ein
Jahr ist das jetzt her, „Gringolyrik aus
der Karibik“. Jetzt hat sich Jürgen
Walter erneut aus seiner Wahlheimat,
der Dominikanischen Republik,
gemeldet, diesmal mit „Gringostorys
aus der Karibik“.
Wie beim ersten Büchlein, steht
hinter dem Titel die römische „I“,
was auf eine geplante Fortsetzung
schließen lässt. Wie beim „ersten
Mal“ firmiert Walter unter dem Autorennamen
„Christian Hugo“ – und
diesmal möchte man fragen: Warum
eigentlich?
Wer den Gymnasiallehrer im Ruhestand
und ehemaligen Wertheimer
Stadtrat der Grünen zu kennen
glaubt, neigt dazu, ihn im Schreibstil
seiner „Gringostorys“ zu erkennen.
Zehn Erzählungen hat er ausgewählt,
und die konsumiert der geneigte
Leser – eine typisch Waltersche
Ausdrucksweise übrigens – so,
wie sie geschrieben sind. Locker, flockig,
mit einem Augenzwinkern hier
und einem gefühlten Schulterklopfen
dort.
Es ist fast so, als habe man Jürgen
Walter neben sich sitzen, ein gutes
Glas Rotwein vor sich und der mittlerweile
fast 64-jährige erzähle von
seinen Erlebnissen. Da wundert
dann auch die persönliche Ansprache
nicht, die der Autor ein ums andere
Mal in seine Geschichten einfließen
lässt. So ist das halt bei einer
Plauderei. Nur dass die Möglichkeit
der direkten Nachfrage fehlt, sitzt
Walter alias Christian Hugo eben
nicht hier in Wertheim, sondern einige
Flugstunden entfernt.
Es ist natürlich eine persönliche
Geschmacksfrage, aber es scheint,
als seien die „Gringostorys“ dem Leser
leichter zugänglich als die „Gringolyrik“.
Er wolle, versichert der Autor im
Vorwort, „diesmal mit Geschichten
unterhalten“. Das gelingt ihm auch,
fast durchgehend gut. Und zwar
„ohne hohen literarischen Impetus“
(wieder so ein typischer Jürgen-Walter-
Begriff), den man dann auch
nicht mit Gewalt hineininterpretieren
muss.
Es sind Begebenheiten und Besonderheiten,
die Walter/Hugo hier
aufgreift, bei weitem nicht mit der
spitzen Feder, wie man sie von ihm
aus seiner Wertheimer Zeit gewohnt
war. Er erzählt meist süffig, mal auch
süffisant, und auch wenn er, eigenem
Bekunden zufolge, zum „Abbau
festgefahrener Klischees“ beitragen
möchte, scheint er sie in dem einen
oder anderen Fall, ohne böse Absicht,
doch auch zu bestärken.
Im Sinne seines Gastlandes will
der Autor auch diesmal wieder „zu
gerne ( . . . ) motivieren, auf dass Sie
sich eines Tages auf Hispanola einlassen,
als Rucksacktourist oder als
All-inclusive-Buchender, der nicht
unbedingt jeden Tag von morgens
bis abends am Strand liegen und
schlemmen muss. ( . . . ). Und mal
die Dominikaner als die Menschen
kennenzulernen versucht, die sie
sind, nämlich nett, lebensfroh und
gutgelaunt, trotz aller Entbehrungen,
die sie durch verfehlte Innenund
Bildungspolitik, Korruption
und sozialem Desinteresse seitens
der Oberschicht seit Jahrzehnten erdulden
müssen“. Da scheint er dann
doch wieder durch, der politische
Mensch Jürgen Walter.
Alle Geschichten zusammengenommen,
räumt er am Ende seines
Vorwortes ein, „haben einen Wahrheitsgehalt
von 65 Prozent“. Denn
„wie heißt es so schön: Alle Ähnlichkeiten
mit . . . sind rein zufällig“.
Nun, die Ähnlichkeiten von
Christian Hugo mit Jürgen Walter
sind es sicher nicht. Deshalb lohnen
sich die „Gringostorys aus der Karibik“.
Zumal sie einem den einen
oder anderen – in diesem Jahr allerdings
dann doch nicht – kalten Winterabend
in Deutschland zu erwärmen
durchaus geeignet sind. ek
i „Gringostorys aus der Karibik I.
Leben in der Dominikanische Republik“
von Christian Hugo ist
als Book on Demand erschienen
und im Buchhandel erhältlich.
Auch als E-Book kann es erworben
werden. Es umfasst knapp
über 100 Seiten mit zehn Geschichten
und zahlreichen Bildern.
Nähere Informationen gibt
es im Internet unter www.christianhugo.
com.
„Gringostorys“-Buchtitel: Jürgen Walter
alias Christian Hugo berichtet von seinem
Leben in der Karibik. REPRO: FN