Hispaniola - ich komme !

Auf ein „Leben in der Dominikanischen Republik“ will ich mich wohl freudig einlassen, ist doch im Plan der Zukunft eine Reise in die DomRep fest eingeplant. Doch ob der Weg durch Lyrik geebnet wird, zwingt mich, ein Fragezeichen zu setzen. Ich und Lyrik: Wir waren tolerant zueinander, haben uns gegenseitig nie bedrängt. Denn wir waren uns fremd, wie auch der Fuchs und der kleine Prinz sich anfänglich fremd gewesen sind. Wir kamen gut ohne einander aus.

 

Dreigeteilt schreitet sie mir entgegen. Behutsam nimmt mich die Lyrik an die Hand, und lässt zunächst die Schwester Prosa sprechen. Diese mir Vertraute öffnet ein Fenster, um  mich einen Blick auf dieses Land werfen zu lassen. Nicht die Weite und Tiefe schaue ich, es ist der Ausschnitt, dem ich begegnen darf. Doch ist die Prosa keine besser wissende Lehrerin, sondern sie lässt mich mit den Augen einer Verliebten die Unzugänglichkeiten des mir noch unbekannten Landes sehen.

 

Dann aber greift die Lyrik nach meiner Hand, um mich im hispaniolischen Kleid bezirzen zu wollen. Der Aufforderung zum karibischen Tanz antwortet der unwissende Gringo nur mit Schulterzucken, das auf der rechten Seite schmerzlich registriert wird. Und doch lese ich es auf spanisch – ganz leise: En Hispaniola – 8 decembre 1493 – Almirante – Christobal Colòn – trasplanta – zum ersten mal verweigert meine Fantasie eine Übersetzung. Doch auf Seite 16 vertreibt die Freude alle Fragen: trasplanta muss vergräbt heißen. Lustvoll beschreite ich den Weg: Zuerst spanisch , dann deutsch und manchmal blättere ich zurück. Mit einer gewissen Ironie stelle ich fest, dass ich in meine bis dahin

leere spanische Wortschatzkiste als erstes Wort „con ron“ einlege.

 

Weil Lyrik im spanischen Gewand sich meiner Einschätzung entzieht, darf ich nur die, die mir in meiner Muttersprache zugänglich ist, betrachten. Und da ist es oft das letzte, oft so überraschende Wort, was mich verzaubert, weil nach den zunächst beschreibenden Zeilen mit diesem einen Wort, es mögen auch drei oder vier sein, eine neue und dann so andere Sichtweite eröffnet wird. So eile ich von Seite zu Seite, um mich anstecken zu lassen von der Freude an schöner Sprache – selbst in der reduzierten Form der modernen Lyrik, ich, der ich sonst verhaftet bin den Versreimen geistlichen Liedguts.

 

Weil jedes Lob nur im Spiegel kritischer Sichtwesie wirklich zum Leuchten kommt, will ich, ohne verletzen zu wollen, auch das kritische Wort wagen. Weil Liebe blind macht – wie die deutsche Spruchweisheit zu berichten weiß -, scheint Deine entdeckte und zur Blüte gekommene Liebe Dir zur DR das eine oder andere Mal die Schärfe sozialkritischer Sprache genommen zu haben. Auch wird die Forderung – die ich gewohnt bin zu hören, damit Veränderung geschieht – zu weich in das zarte Papier der Lyrik eingewickelt. Diese Stimme aber zu hören – scheint mir wichtig.

 

So sollst Du, Christian Hugo, wissen, dass Deine Lyrik aus der Karibik einen Menschen in einem Wartezimmer in Konstanz erfreut hat. Ob die Lyrik und ich schon Freunde sind? Der Fuchs und der kleine Prinz sind sich – wenn ich mich recht erinnere – jeden Tag ein kleines Stückchen näher gekommen. Vom Bodensee in die Karibik die allerherzlichsten Grüße.