Semana Santa oder: Wer hat Angst vor dem Straßenverkehr ?

 
Kolumne C.H.

„Von wegen Friedensfest! Das ist Krieg, Krieg auf der Straße! In der Semana Santa bleibt man zu Hause, wenn einem das Leben lieb ist!“ So vergatterte uns vor nunmehr zehn Jahren

die sächselnde Empfangsdame der Reisegesellschaft, als wir zum ersten Mal auf die Insel kamen. 

Wir saßen verdattert im Guagua, das uns vom Flughafen bei POP nach Cofresi brachte. „Selbstredend können Sie unsere Touren buchen; unsere Fahrer sind für den Verkehr hier bestens gerüstet. Sie kennen die Mentalität ihrer Landsleute im Straßenverkehr während der Osterwoche und überhaupt…“ 
Als sie uns dann noch den Ort zeigte, wo ein paar Jahre zuvor Falco tödlich verunglückt war, erkannten wir messerscharf: in diesem Land werden wir selbst nicht am Steuer sitzen! 
Wir bleiben innerhalb des Hotelareals… 

 Nun verbringen meine Frau und ich bereits das vierte Osterfest in Folge auf der Insel, längst wissend, dass der touristische Rat von damals reine Marketingstrategie war, wonach Tourigeld gefälligst innerhalb des Campo turistico verbleiben soll. Rum und Zigarren kaufe man gefälligst in den Touristik-Malls oder spätestens auf den Flughäfen, vollkommen überteuert, wie wir wissen.

Wir, die Residenten, kennen längst die Risiken des Straßenverkehrs, auch außerhalb der Osterwoche. Längst haben wir wohl alle Lehrgeld bezahlt, z.B. wenn uns ein Motoconchofahrer gerammt hat und wir, völlig unschuldig, dessen Schäden begleichen durften, denn die eigentliche Schuldfrage lassen wir besser erst gar nicht aufkommen, wissen wir doch, dass das vor Gericht nur teurer kommen wird. 
Also muss man für den Schaden des Unfallverursachers löhnen. Wie weise!?

Oder, entrüstet stellen wir fest, dass wir selbst unsren einst teuer erkauften „internationalen“ Führerschein umschreiben lassen müssen – welch Prozedur - um dabei zu erleben, wie „billig“ – ohne Fahrstunden- und Prüfungsstress - Dominikaner diese Plastikkarte erwerben. Ach! Und wie steht es um die Sicherheit der dominikanischen Vehikel? TÜV ? 
Erinnern wir uns noch des Aufklebers, den wir für 350 Pesos pro Jahr in unserer Werkstatt erstehen konnten? Gibt’s den eigentlich noch, liebe Auto fahrende Landsleute?

Jedoch, wenn wir ehrlich sind, dann erinnern wir uns doch alle noch der Drängler auf Deutschlands Autobahnen, ganz zu schweigen von den vergleichsweise hohen Kfz-Steuern, Versicherungsprämien, TÜV-Kosten und Werkstattkosten back in Old Germany. 
Wollen wir den Faktor Autokosten hier und dort vergleichen? Wollen wir uns weiterhin über die hier und dort unbegründeten Benzinpreiserhöhungen ereifern?

Viel schlimmer finde ich, dass sich unsre Landsleute von Touristik-„verdrehern“ ins Bockshorn jagen lassen und sich an Ostern nicht aus den AI-Touristikburgen heraus trauen. 
Wo sonst könnten sie unsere Gastgeber besser kennenlernen als justament in der Osterzeit, wo sich die Familien an „ihren“ Stränden fröhlich und ausgelassen feiernd zeigen? 
Jaja, ich weiß, was Sie sagen wollen: „Zu laut! Dieser Lärm – und das in der friedlichen Osterwoche! Da lobe ich mir die Ostermärsche in der Heimat!“ 
 Gemach, gemach. Jedem Volk das Seine! 

Ein Frohes Osterfest wünscht Ihnen

Christian Hugo 
www.christianhugo.com

4 Kommentare:

Tobias M. hat gesagt…

Klasse Beitrag. Eine sehr schöne Ergänzung für die Newspage.
Liebste Ostergrüße Tobi

Ursel hat gesagt…

Den Artikel von Hugo finde ich super.
Sehr gut geschrieben auch, ueberhaupt nicht boese oder schleimig
sondern einfach so, wie es ist.
Ich weiss, wie gastfreundlich die
Dominiksner sind und wie wunder-
schoen es ist, die Inssel zu er-
kunden. Wenn ich nur an die Aben-
teuerfahrt zu dem Restaurant auf
der Meeresklippe denke, da kommt
kein Touri hin. Weiter so!
7. April 2012 20:08

werner rümmele hat gesagt…

Ich bin am Mittwoch, Donnerstag und Freitag beim Austeilen von LA PLAYA wie üblich über fast die ganze Insel gekommen. Mittwoch war die Nordküste dran, der Verkehr war logischerweise wie immer.
Am Donnerstagmorgen bin ich Richtung Süden gefahren. Ausser dem schlechten Wetter war sehr angenehm, dass kaum Verkehr war, besonders keine Lkw. In Juan Dolio war viel los am Strand, ebenso in Guayacanes. Aber alles cool und freundlich. Nix Aggressives. Der Verkehr weiter Richtung Osten bis La Romana war ebenfalls ruhig. Abends in Boca Chica war der Tagesrummel schon vorbei, auch alles ruhig. Keine Besoffenen, nichts. Und überall Amet und Rotes Kreuz, damit nichts passiert. Am Freitagmorgen auf der Rückfahrt über Nagua ebenfalls sehr wenig Verkehr. Erst gegen 11 Uhr in Cabarete war wieder viel los. Und gegen später in Sosúa ebenfalls. Puerto Plata war extrem leer am Freitagnachmittag. Also nix mit Horror und all dem Blödsinn.

7. April 2012 05:10 

 

Roselinde hat gesagt…

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Diese Kolumne bringt neue Interessenten,
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