03 Januar 2013

Quo vadis, Danilo?

 

Kolumne C.H.

Als Danilo am 17. August 2012, einen Tag nach dem offiziellen Amtsantritt, nach dem Kirchgang zum Grab seines politischen Vorbilds Juan Bosch pilgerte, was hat der amerikanische Botschafter
damals seiner Regierung nach Washington D.C. wohl getextet?

Der, im Gegensatz zu den meisten seiner Kollegen, engagierte Botschafter Raúl Yzaguirre, der in seiner Thanksgiving-Rede vor der amerikanischen Handelskammer drei Dinge in der Dominikanischen Republik angeprangert hat:
Das fehlende Engagement der politischen Führung gegen die Korruption anzugehen, nicht für mehr Transparenz in der Politik und nicht für mehr wirtschaftliche Chancen für Investoren zu sorgen.

Ein Mann, der, zumindest nach dem, was man in seiner Wikipedia-Biografie findet, keine offensichtlichen US-Wirtschaftsinteressen zu verfechten scheint, der vielmehr mehr Führungspositionen für die US-Hispanos propagiert, der von der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung sozialisiert worden ist und gegen US-Präsidenten George W.Bush und Bill Clinton gleichermaßen zu Felde gezogen ist.

Man könnte annehmen, dass Barack Obama sich durchaus im Klaren war, als dieser Yzaguirre vor zwei Jahren auf unsre Insel geschickt hat, nämlich auch, um das hispanische Element in den USA zu stärken, ohne das eine Wiederwahl Obamas kaum denkbar gewesen wäre.

Nun ist Medinas Idol der Sozialist Juan Bosch, der 1963, nach nur 7 Monaten im Amt, durch US-Intervention emigrieren musste und welcher wenige Jahre später, wiederum durch nordamerikanische Tricksereien, keine Chancen zur Wiederwahl gegen Balaguer hatte.
Die Liebe zu diesem einzigartigen Philanthrop scheint Danilo geprägt zu haben, sonst wäre die augenblickliche Zustimmung der Dominikaner zu seiner Amtsführung nicht binnen viereinhalb Monaten auf 77% gestiegen.
Aber Danilo agiert leise und weise (?), er hält Distanz zu seinem Vorgänger Leonel gleichermaßen wie zur US-Regierung, zumindest insoweit dies für uns sichtbar wird.

Was das Engagement gegen Korruption angeht, so darf man hoffen. Die sich häufenden Amtsenthebungen von Richtern und Staatsanwälten sind ein löblicher Beginn. Was bei den angestrebten Verfahren gegen die höhere Kaste der Felix Bautistas herauskommt, wird die Zeit weisen. Und Amnestie für die Vorgänger im Amte hat ja auch in Nichtentwicklungsländern stattgefunden, was ich in einer weiteren Kolumne aufzeigen möchte.

Und zum Schluss habe ich noch eine Frage an den amerikanischen Botschafter:
Was werden Sie sagen, wenn eines Tages der mögliche Korruptionstatbestand in Sachen Barrick Gold Corporation (kanadisch-US-amerikanisch) von der dominikanischen Administration auf den Tisch kommt?
Dieser Knebelvertrag mit all den Umweltsünden, den die Vorgängerregierung Danilos so leichtfertig unterschrieben hat? Oder wird das, weil besser für das dominikanisch-amerikanische Verhältnis, auch amnestiert?

Ein in diesem Sinne spannendes Neues Jahr wünscht allen Lesern von DomRepLive

Ihr Christian Hugo