12 November 2012

Feliz cumpleaños, Danilo!

 

An diesem Samstag feierte der dominikanische Staatspräsident seinen 61. Geburtstag. Die Hoffnung der Nation (und der Residenten?).

Vielleicht nicht der Ober- und oberen Mittelschicht, aber all derer, die nach den enttäuschenden letzten Regierungsjahren von Leonel Fernández nicht aufgegeben haben, an das Gute im homo politicus dominicanus zu glauben.

Wer die sogenannten einfachen Leute im Land fragt, hört indes kaum Gutes: „Die da oben sind doch alle gleich!“ ist der Tenor. Wer allerdings genauer hinschaut, wundert sich nicht wenig, was da bereits alles an erstaunlichen Dingen über die politische Bühne gelaufen ist. Hier ein paar Schmankerl : Feuern von Generälen und Funktionären zuhauf, Abschaffung von `zig Vizeministern (=bei uns wohl sowas wie Staatssekretäre). Die Versteigerung von mehr als 1000 Luxus-Staatskarossen und Tausch gegen weniger Sprit verbrauchende PKWs steht in Kürze an. Sein Programm zur Alphabetisierung ist eingeläutet.

Germán Martínez schreibt in der Sonntagsausgabe des Listin Diario unter "Mi Palestra" (Meine Bühne), dass er als langjähriger Beobachter Danilos bis jetzt bestätigen könne, dass dieser sich (bislang) auch als Staatspräsident treu geblieben sei, was seine Aufrichtigkeit und Bescheidenheit angeht. In meinem 1.Beitrag über Medina kurz nach der Wahl hatte ich darauf aufmerksam gemacht, dass er sofort das Grab des populären Sozialisten Juan Bosch aufgesucht hatte, ein symbolischer Akt, der sich immer wieder an seinem Verhalten ablesen lässt. So verbietet er sich, anders als sein Vorgänger, Flugreisen ins Ausland mit einem extra gecharterten Flieger. So geschehen anlässlich seiner Vorstellung bei der UNO-Vollversammlung im Oktober und angekündigt für den Iberoamerika-Gipfel in Madrid diesen Monat; dass er sich dabei nur von einem kleinen Stab begleiten lässt, bestätigt seinen Sparwillen.

Leider musste er die Steuerreform, welche harte Einschnitte bringen wird, durchziehen. Seine Vorgänger ließen ihm keine andere Wahl. „Wie soll er mit leeren Händen Maßnahmen für eine Verbesserung von Gesundheit, Bildung und der Wohnungsprobleme erreichen und mehr Arbeitsplätze für die Unterprivilegierten schaffen?“ so Martínez.
 Im Übrigen wissen wir alle, dass dies eine Forderung des IWF ist. Medina selbst, so der Kommentar, sei nicht an privatem Reichtum interessiert, sondern am Schicksal seiner armen Landsleute. Großspurige Projekte seien ihm artfremd. Hier allerdings gibt es m.E. einen Wermutstropfen, Herr Martínez. Was war da unlängst zu lesen? Danilo möchte gerne eine eigene dominikanische Fluglinie, die die US-Exildominikaner besser an Hispaniola anbindet? Doch warten wir ab.

Am Samstag hat Danilo mit einer weiteren Tradition dominikanischer Präsidenten gebrochen:
 
Seit Trujillo wurden die Geburtstage im Regierungspalast gefeiert, mit dem entsprechenden Pomp. Danilo blieb brav zuhause im Kreis seiner Familie.

Christian Hugo
(Autor von Gringolyrik und Gringostorys)