08 Mai 2012

Frauen an die Macht – Rettet die Republik! (Teil 1)

 

Kolumne C.H.

Der 1. Mai, der Tag der Arbeit, liegt gerade hinter uns. Ich werde nie vergessen, wie mir vor zwei Jahren ein kräftiger 30-jähriger Dominikaner beim morgendlichen Dominospiel auf meine Frage, warum er nicht auf der Arbeit sei, antwortete:


„ Du glaubst doch nicht, dass ich für 350 Pesos am Tag auf dem Bau schufte? Das sollen die Haitianer machen. Die haben eh‘ die Löhne ruiniert.“

Was er verschwieg: seine drei Schwestern durften für ihn, seine drei Brüder und die Eltern nicht nur den Haushalt machen, sondern auch anschaffen gehen bzw. besser: sich einen betuchteren ausländischen Novio zulegen. 
Eine Schwester erhielt tatsächlich von ihrem deutschen Verlobten regelmäßige Überweisungen bei Western Union ausgezahlt, die sie dann brav auf die Familie aufteilen durfte (!).
Ich wünsche allen armen dominikanischen Familien, dass sie über solch eine Geldquelle verfügen mögen oder aber im Ausland lebende Verwandte haben, die ihren nicht ausgewanderten (und nicht in einem Sozialstaat lebenden) unterpriviligierten Familienmitgliedern „Stütze“ zukommen lassen.

Die von mir geschilderte Familie lebt auf engstem Raum, aber in einem Malerwinkel in den Kleinen Kordilleren auf 700m mit traumhaftem Meeresblick. Ob sie den genießen können? Auf meine Frage, ob sie denn wenigstens ihr eigenes Gemüse, Obst und Federvieh produzieren könnten, das Land sei schließlich fruchtbar, erhielt ich ein erschütterndes Nein. 
Wie oft hätten sie Land besitzenden Nachbarn schon guten Pachtzins angeboten – immer ohne Erfolg.

Liebe Freundinnen und Freunde der Dominikanischen Republik, was sollen die Familie in meinem Beispiel, und mit ihnen Hunderttausende anderer vergleichbarer Wohngemeinschaften am Tag der Arbeit gefeiert haben? 
Können Sie mir das verraten?

Hoffen sie allen Ernstes, dass Wahlversprechen, wie die der Schaffung von mehr Arbeitsplätzen, wahr werden? 
Glauben sie daran, dass bei vergangenen Wahlen mehrfach Versprochenes, wie ein Krankenhaus für Sosúa oder der vierspurige Ausbau der Carretera 5 von Puerto Plata nach Santiago, jetzt auf einmal realisiert werden? 
Und glaubt der Noch-Präsident Leonel an seine eigenen Wahlversprechen für Miche/ Provinz El Seibo am vergangenen Wochenende (siehe Artikel in DRL)?

Und wann kommt der für die letzte Aprilwoche großspurig angekündigte 1. Spatenstich für das Hafenprojekt der Carnival Cruise in Maimón? 
 Was ist da los? 
Die israelischen Besitzer der Luxusliner zahlen keine Schmiergelder. Worauf wartet ihr?

An Ihrer Meinung interessiert
verbleibe ich

Ihr Christian Hugo 


Foto: Fassadenbild aus Tenares KünstlerIn unbekannt