01 Mai 2012

Die Schöne und die Sieben

 
Kolumne C.H.

Den Bildungsstand von Dominikanern zu beschreiben, ist eine delikate Aufgabe. Man ist ja schließlich Gast und als solcher sollte man sich mit für den Gastgeber unangenehmen Bewertungen zurückhalten.




Und was die Spatzen von den Dächern pfeifen, muss ja nicht auch noch geschrieben werden. Ich sage Ihnen vorab, dass ich heute nur das (Subjektive) schreibe, was ich selbst mehrfach erlebt habe. Und sage gleich dazu, dass ich mich in einer weiteren Kolumne zum Thema auf objektive Daten beschränken werde. 
Ich habe schon begonnen, mich in einen Lehrplan, den das Ministerio de Educación ins Netz gestellt hat, einzulesen.

Herauszufinden, dass da kaum Elementarbildung vorhanden ist, ist schnell geschehen. Man kauft etwas, sagen wir die Frikadelle mit Kartoffelsalat kostet 130 RD$, das Paulaner Hefeweizen 170RD$, heraus kommen 290 RD$, trotz Taschenrechners, ohne den ja nun gar nichts zu gehen scheint. 
So geschehen gestern auf der Pedro Clisante.

Was denn 3x7 (drei mal sieben) bzw. 21:3 (einundzwanzig geteilt durch drei) sei, ist eine Aufgabe, die man erwachsenen Dominikanern und Dominikanerinnen nicht unbedingt stellen sollte, wenn doch, dann geht das meist mit dem Handy oder den Fingern, und nach einer Minute kommt vielleicht das richtige Ergebnis.
Ich weiß das auch nur, da ich ab und zu Dominikanern Deutsch oder Englisch beizubringen versuche und bei dieser Gelegenheit die ein oder andere „traurige“ Feststellung treffen muss. Siehe hierzu auch den aktuellen Auszug aus meiner Erzählung „Heißt Ajona“ in der Schmökerecke.

Sogenannte Studenten und Studentinnen, die „Marketing“ oder sonst was studieren, und allen Ernstes wg. 2 Stunden Unterrichts pro WOCHE (!) 2 Stunden Fahrzeit zur Universität auf sich nehmen, nur um später sagen zu müssen, dass sie keinen Job finden, obgleich sie doch einen Hochschulabschluss gemacht hätten. 
Falls wir das nicht glauben, zeigen sie uns stolz den doppelten „akademischen“ Beweis: das Diplom im Wohnzimmer an der Wand und das Foto von der Studienabschlussfeier auf dem Fernseher.

"Weißt du denn, wo Deutschland liegt?" 

"Kennst du Europa nicht?"

"Wie groß ist Hispaniola?" 

"Was ist größer als Deine Insel?“ 

 All diese Fragen kann man stellen. Aber mehr als ein charmantes Lächeln und einen Tipp (natürlich daneben) wird man kaum ernten. 
Schlaue Leser mögen einwerfen, man solle doch mal Deutschen die Frage nach Hispaniola stellen. Wo das denn nun sei? 
Tja, da kann ich nur sagen, so wichtig ist die Insel nun auch nicht, dass unsre Schüler das unbedingt wissen sollten, meine ich bescheiden.

Zutreffender allerdings ist die Feststellung, dass US-amerikanische Absolventen der High-School und des College nicht wüssten, wo Athen liege. Nun kann man hier aber einwenden, stattdessen wüssten sie wenigstens, was die Griechen aktuell der EU eingebrockt haben. 
Da gebe ich Ihnen Recht. Etwas CNN-vermittelte Allgemeinbildung erwarte ich schon von den Amis.

Wohingegen das Fernsehen in dominikanischen Fernsehkanälen sich auf den Stoff beschränken mag, der in den Novelas, dem Standard“bildungs“programm der Dominikanerinnen vermittelt wird. 
Und das sind vor allem Bilder: wie kleidet, manikürt, pedikürt und frisiert sich die mittelamerikanische und karibische Latina aus dem Mittelstand?

„Hättest Du statt ‚Marketing‘ mal was G’scheites gelernt, Mädle“, möchte man der jobsuchenden Dominikanerin zurufen, sprich „…Dir das Beauty-Handwerk beibringen lassen! Dann hättest Du jetzt ein dauerhaftes Einkommen.“ 
In der Tat, wenn an der Statistik was dran ist, dass Dominikanerinnen regelmäßig 10% ihres Gehalts (auch wenn sie über gar keines verfügen …) für ihr Äußeres ausgeben, dann ist ein Beauty-Salon in der Dominikanischen Republik wahrlich das Ei des Kolumbus,

meint bescheiden

Ihr Christian Hugo
www.christianhugo.com