B U C H V O R S T E L L U N G

 

Gringostorys aus der Karibik

Chris­tian Hugo (63), deut­scher Auswan­de­rer und Buchau­tor, hat ein neu­es li­te­ra­ri­sches Werk über das All­tagsle­ben von Re­si­den­ten in der Dom­Rep he­raus­ge­ge­ben. In zehn amüsan­ten Erzählun­gen skizziert er All­zu­menschli­ches zwi­schen den "Grin­gos" und ih­ren Gast­ge­bern - mal hu­mor­voll, mal iro­nisch, aber im­mer wohl­wol­lend - so wie sie das Le­ben schreibt: Auf der Su­che nach der wah­ren Lie­be, den Umgang mit Be­hör­den oder den Do­mi­ni­ka­nern selb­st. Ein Buch, das al­le, die Land und Leu­te zu ken­nen glau­ben, und je­ne, die es noch ken­nen­ler­nen möch­ten, be­rei­chern wird...
(Books on Demand / 104 Seiten / 8,90 Euro)
 
Erzählung 9:
 

"Amos von Loch neunzehn"

 
Die fol­gen­de Ge­schich­te han­delt von ei­nem auf­rech­ten Do­mi­ni­ka­ner, der sich fast unver­schul­det in ei­ne Ka­la­mi­tät la­viert, aus der er nur un­ter sehr mysti­schen Umstän­den wie­der he­raus fin­det. Doch da die­ser Do­mi­ni­ka­ner mir per­sön­lich sei­ne Le­bensge­schich­te ge­schil­dert hat, ge­be ich sie bis auf De­tails auch wahrheits­ge­treu wie­der. Der Alko­ho­lis­mus ist nach mei­nen Beo­bach­tun­gen in der Do­mi­ni­ka­ni­schen Re­pu­blik kein gro­ßes Problem. Evtl. täu­sche ich mich aber. Das lä­ge dann an der Tatsa­che, dass ich zu die­sem The­ma bis­lang we­der re­levan­te noch zu­ver­läs­si­ge sta­tis­ti­sche Da­ten ge­fun­den ha­be. Sie fra­gen sich, wie­so es in ei­nem Drittweltland die­ses Problem kaum gibt? Ich wa­ge die Hypothe­se, dass Do­mi­ni­ka­ner mit kar­gem Lohn oder gar ar­beits­los es sich ein­fach nicht leis­ten kön­nen. In Wahlzei­ten er­lebt man Do­mi­ni­ka­ner des Öfte­ren mit ei­nem Sch­wips, denn die Kan­di­da­ten ge­ben ger­ne ei­nen aus. Auch an Fei­er­ta­gen sieht man gan­ze Fa­mi­lien und Freun­deskrei­se mit klei­nen Plas­tikbe­chern voll Rums am Strand. Nur, im Unter­schied zu eu­ropäi­schen Par­tygän­gern, schei­nen Do­mi­ni­ka­ner auch oh­ne Alko­hol fröhlich. Das ist ei­ne Grun­der­fah­rung, die man hier ma­chen kann, wo­bei Ausnah­men die Re­gel bestä­ti­gen. Wenn man dann hört, dass der im Land pro­du­zier­te Rum nur zum Teil ex­por­tiert wer­den kön­ne, da die Do­mi­ni­ka­ner ihn selb­st kon­su­mie­ren wür­den, dann kann man das nur mit der Tatsa­che be­grün­den, dass die ge­ho­be­ne Mit­telschicht und wir Grin­gos Letz­te­res "leis­ten". Ei­ne an­de­re Sa­che ist das Glücks­spiel. Hier schei­nen Pe­sos locker ge­macht zu wer­den von der Unter­schicht; was den Fa­mi­lien dann natürlich wie­der ab­geht. Aber das ist ei­ne an­de­re Ge­schich­te...
 
Ein Auszug:
 
"Hal­lo, wie geht es Ihnen heu­te?" Das ist der wö­chent­li­che "Weckruf" un­se­res do­mi­ni­ka­ni­schen Bar­keepers, wenn wir, mein hol­län­di­scher Golfbuddy und ich, diens­tags und don­ners­tags ge­gen 13.00 Uhr müde bei Loch 19 einkeh­ren, dem einzi­gen Loch, das kein Golfer je bo­geyen oder flop­pen kann. Seit fast zwei Jah­ren er­freu­en wir uns des meist kur­zen Dia­logs mit un­se­rem Ca­ma­re­ro (Kellner), denn welches Per­so­nal spricht uns schon auf Deutsch an, hier im Pla­ya Do­ra­da Golf Club? Und heu­te ist ein be­son­de­rer Tag, der 41. Ge­burts­tag uns­res Freun­des. Wir sind et­was über­rascht, als er plötz­lich an­fängt, sein Schicksal aus­zubrei­ten. Ich glau­be, es war uns­re Einladung, sich ei­nen Drink zuzu­be­rei­ten - was er ver­wei­ger­te, er trinke nur Was­ser,- oh mein Gott! Das tun wir beim Golfen ja auch - aber auch nach ge­ta­ner Arbeit? 18 Lö­cher Konzentra­tion, Frust und Freu­de, Su­chen ei­nes Bal­les, der, wenn schon nicht im Loch, ja noch ir­gend­wo sein müsste, man hat ihn ja schließlich un­ter dem Mango­baum run­ter­kom­men se­hen! Amos, das ist der Na­me, den ihm Gott ge­ge­ben ha­be. Ach so. Amos hat­te als jun­ger Mensch ei­nen si­che­ren Arbeits­platz auf dem Bau, als in den Achtzi­gern die Pla­ya Do­ra­da mit ca 4.500 Ho­telzim­mern ent­stand, was spä­ter jahr­zehnte­lang als Hauptur­laubsort in der Do­mi­ni­ka­ni­schen Re­pu­blik für Tou­ris­ten aus al­ler Welt galt. Heu­te ist es eher still ge­wor­den. Tau­sen­de Do­mi­ni­ka­ner ha­ben ih­ren Arbeits­platz an der Nord­küs­te verlo­ren, wäh­rend Pun­ta Ca­na im Süden der Ren­ner ge­wor­den ist, ei­ne, wie vie­le Insi­der fin­den, tödlich langwei­li­ge Anein­an­der­rei­hung von Strand­pas­sa­gen oh­ne Cha­rak­ter, aber mit viel weißem Sand und Lu­xus. "Und nach­dem die Ho­tels er­baut wa­ren, be­kam ich ei­nen Job in ei­nem die­ser Ho­tels als Bar­keeper", sagt Amos, jetzt auf Spa­nisch. Und von da an ha­be das Schicksal sei­nen Lauf ge­nom­men. Er wur­de sein bes­ter Kun­de; er nahm AI (All inclu­si­ve) selb­st für ba­re Münze. "Was Sie in ei­nem Mo­nat trinken", wand er sich an uns, "trank ich schließlich an ei­nem Tag." Das wä­ren also 24 Pre­si­den­te am Tag. Nicht schlecht, was Buddy? Da müs­sen wir noch et­was ler­nen. Spaß bei­sei­te ...
 
Lesen Sie nächste Woche: "Andys Androide"
oder jetzt als gedrucktes Buch versandkostenfrei online bestellen