Gringostorys aus der Karibik

Chris­tian Hugo (63), deut­scher Auswan­der­er und Buchau­tor, hat ein neu­es lite­rari­sches Werk über das Alltagsle­ben von Resi­den­ten in der Dom­Rep heraus­ge­ge­ben. In zehn amüsan­ten Erzählun­gen skizziert er Allzumenschli­ches zwi­schen den "Grin­gos" und ihren Gast­ge­bern - mal humorvoll, mal ironisch, aber im­mer wohlwol­lend - so wie sie das Leben schreibt: Auf der Suche nach der wah­ren Lie­be, den Umgang mit Behör­den oder den Domi­ni­ka­nern selbst. Ein Buch, das al­le, die Land und Leu­te zu ken­nen glau­ben, und jene, die es noch ken­nenler­nen möchten, be­rei­chern wird...
(Books on Demand / 104 Seiten / 8,90 Euro)
 
Erzählung 7:
 

"Der mit dem Kilt rockt"

 
Einen skurrilen Resi­den­ten auf der Insel an­zutreffen, ist gewiss nicht sel­ten. Ganz im Gegen­teil. Viel­leicht muss man im Grun­de sei­nes Wesens ja skurril sein, wenn man von zu Hau­se weg zieht, aus al­len Her­ren Län­dern. Nachdem vie­le Freun­de und Bekann­te in der Hei­mat ei­nen Auswan­der­er für "bekloppt" hal­ten, ist der Typisie­rungs­schritt zum Freak nicht mehr weit. Und solche Typen bie­ten ei­nem Erzähler natürlich genügend Stoff. Wie vie­le Resi­den­ten es ei­gent­lich ge­nau auf der Insel gibt, ist lei­der nicht exakt zu be­ant­wor­ten, evtl. wis­sen wir mehr, wenn die Resi­den­tenzählung in 2012 durchge­führt sein wird, voraus­ge­setzt, die Domi­ni­ka­ner zählen or­dent­lich. Es soll bei­spiel­swei­se 15.000 deut­sche Landsleu­te ge­ben. Was die­se Zahl aber wert ist, ­nachdem be­kannt ist, dass vie­le Resi­den­ten sich erst gar kei­ne Resi­den­cia be­sor­gen, aus den verschie­densten Grün­den. Sie zahlen lie­ber Stra­fe beim Ver­las­sen der Re­pu­blik, oder sie versu­chen sich durch zu lavie­ren, bes­te­chen den kon­trol­lie­ren­den Polizis­ten im Fall des Fal­les. Oder weil sie die Aufenthaltsge­nehmigung fi­nan­ziell nicht darstel­len kön­nen (sie­he auch mei­ne Erzählung "Fri­sches Resi­den­tenblut"). Oder weil sie das Licht scheu­en � bis Interpol sie ei­nes Tages doch abholt. Die vorliegen­de Geschich­te entspricht im Kern der Wahrheit. An der Nordküs­te gibt es die­sen Protagonis­ten tatsächlich (im­mer noch). Und wer ihn sucht, der wird ihn fin­den. Aber ver­ra­ten Sie ihm bit­te nie, dass ich ei­ne Satire über ihn ge­schrie­ben ha­be. Und mit der Domi­ni­ka­ne­rin aus der Geschich­te ist er wie­der liiert.
 
Ein Auszug:
 
Und wie das Leben so spiel­t, Don Rory leb­te seit 10 Jah­ren in dem Surferstädt­chen Ca­ba­re­te, stets strahlend, denn al­le Men­schen begrüßten ihn aus gu­tem Grund la­chend, was die­sen wie­de­rum da­zu ver­an­lasste, die Freund­lich­keit der Domi­ni­ka­ner ge­gen­über je­dermann und je­der Frau zu loben. Was unser weltläu­fi­ger Schot­te al­ler­dings nie erfuhr, war, dass je­der, der ihn von wei­tem sah, sei­ne Umge­bung auf den passio­nier­ten Spa­ziergän­ger aufmerksam mach­te, ent­weder mit dem Attribut "Los Pan­talones" oder halt auch "Los Cojones" ( was Schüler im Biolo­gieun­ter­richt nie sagen dürfen, ohne ei­ne Rüge er­teilt zu be­kom­men, also auf gut Deutsch "die Eier"). Offi­ziell hieß es dann "Buenos días, Don Rory". ... Was aber außer sei­nen fran­zö­si­schen Nachbarn kei­ner wuss­te, da Senor MacIntyr quasi nie Gäs­te hat­te, er trug zuhau­se sei­nen Schot­tenrock, graugrün ge­mustert, in den Tra­di­tions­far­ben sei­nes Clans. Gemach, gemach, lie­be Leserin­nen und Leser, ich weiß schon, wel­che Fra­ge jetzt kommt: Trug er etwas da­run­ter? Damit ihr´s gleich wisst: man weiß es nicht! Fragt doch sei­ne Nachbarn! Viel­leicht ha­ben sie durch die Hecke gepeept ... Denkbar wäre es schon, er lieb­te die fri­sche Luft, denn oft ge­nug traf man ihn mit of­fe­nem Hosenstall. Um das klassi­sche Kli­schee zu be­dien­en: ein Schot­te, der zu geizig ist, sich ei­ne Unter­hose zu leis­ten. Der groß­zü­gig sei­ne kaum kaschier­te Männlich­keit of­feriert, denn das kos­tet ja nichts. Aber zu fei­ge, sich öf­fent­lich mit Rock zu prä­sen­tie­ren, passt dann wohl we­ni­ger zum ste­reotypen Bild, das man sich land­läu­fig von den Schot­ten macht; die kennt man eher als tough. ... Doch wieso hat die­ser Mann ei­nes Tages Ca­ba­re­te ver­las­sen? Er schien sich doch bes­tens in­tegriert zu fühlen. Zum Glück gibt es Din­ge, die man nur als Erzähler weiß, sonst würdet ihr das ja nie er­fah­ren! Der Grund war mit ho­her Wahrscheinlich­keit sei­ne do­mi­ni­ka­ni­sche Konkubine Tessie, mit der er jah­re­lang zu­sam­men leb­te, dann wie­der mo­natelang nicht, so ging das hin und her...