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Gringostorys aus der Karibik

Christian Hugo (63), deut­scher Auswan­de­rer und Buchau­tor, hat ein neu­es literari­sches Werk über das Alltagsle­ben von Resi­den­ten in der Dom­Rep heraus­ge­ge­ben. In zehn amüsan­ten Erzählun­gen skizziert er Allzumenschliches zwi­schen den "Grin­gos" und ih­ren Gast­ge­bern - mal humorvoll, mal ironisch, aber im­mer wohlwol­lend - so wie sie das Leben schreibt: Auf der Suche nach der wah­ren Lie­be, den Umgang mit Behör­den o­der den Domi­ni­ka­nern selbst. Ein Buch, das al­le, die Land und Leu­te zu ken­nen glau­ben, und jene, die es noch ken­nenler­nen möch­ten, be­rei­chern wird...
(Books on Demand / 104 Seiten / 8,90 Euro)
 
Erzählung 5:
 

"Das außerirdische Museum"

 
Die fol­gen­de Erzählung entspricht ei­gent­lich eher der Form des Berichts. Und fiktiv sind hier we­der die han­deln­den Per­so­nen noch die Moskitos. Auch nicht, was auf den ers­ten Blick mehr als fiktiv erscheint, näm­lich die Erklärun­gen des Museumsbe­sitzers. Sie sind real. Folg­lich wer­den mei­ne Leserin­nen und Le­ser mit der Wahr­heit und nichts als der Wahr­heit konfrontiert (sic!). Und was für Wahrhei­ten das sind! Ei­ner da­von wird in Wikipedia heftigst widers­pro­chen. Es geht um die Exis­tenz von Zombies im heuti­gen Haiti. In mei­ner Erzählung wird al­ler­dings ein gu­ter Freund von mir zitiert, der die Krea­tion ei­nes Zombies persön­lich ge­sehen ha­ben will. Hierzu ein paar Fak­ten aus Wikipedia: "Zombies im Voodoo" - Der Ethnobota­ni­kerWade Davis ent­deck­te 1982 auf ei­ner Rei­se durch Haiti, dass dort Zombie-Pulver im Umlauf wa­ren, die Kugelfischgift enthiel­ten und mit de­nen man Men­schen an­geb­lich scheintot machen konn­te. Davis vertritt die Theorie, mit die­sem und ei­nem wei­te­ren Pulver könn­ten Men­schen zu wil­len­lo­sen "Zombies" gemacht wer­den. Der Glau­ben an Zombies ist stark im Voodoo vertre­ten. Beson­ders in Haiti sind die­se Geschich­ten be­kannt. Die­sem Glau­ben nach kann ein Voodoo-Pries­ter ei­nen Men­schen mit ei­nem Fluch be­le­gen, worauf die­ser dann schein­bar stirbt (Scheintod). Tage spä­ter kann er den To­ten dann wie­der zum Leben er­wecken. Die­sen missbraucht er dann als Arbeitssklave. Die­se Zombies hei­ßen auch "Zombie cadavres". Sie gel­ten als ab­so­lut wil­len­los.
 
Ein Auszug:
 
... Wir ho­len R.o.l.f. aus der Siesta. Noch wäh­rend der Schöpfer und Besit­zer sich das Hemd zuknöpft und sei­ne blon­den Haare in Ordnung bringt, stellt er uns die mächti­gen Skulptu­ren aus Caoba (Mahagoni) o­der Granit, die er uns zeigt, als sogenann­te Zombie-Figu­ren vor; viel­leicht ha­be ich das aber missverstan­den, denn ich bin ge­rade mit der Abwehr von Moskito Nr.1 beschäf­tigt. Nun mei­nen ja manche Zeitge­nos­sen, dass es Zombies nicht echt ge­be. Da die Kunstwer­ke in unse­rem Museum al­ler­dings haupt­säch­lich aus Haiti stam­men, liegt nichts näher als die­se auf ir­gen­dei­ne ominö­se, nicht wei­ter zu hin­terfra­gen­de Wei­se in die Nähe die­ser mysti­schen Auferstan­de­nen zu rücken. Wir tur­nen zwi­schen den über­le­bensgro­ßen Statuen umher, lei­der nicht ohne ständi­gen Moskitoat­tacken hilflos aus­ge­setzt zu sein. ... Die Online-Zei­tung Sosua-News beschreibt das "Wahrzei­chen" Sosúas als ei­ne "Kombina­tion zwi­schen Märchenschloss und Ufolan­deplatz". All die­se Widersprüche kom­men mei­ner Meinung nach nicht von un­ge­fähr, steht das Gebäude schließ­lich in der Camino Libre (Freiheits­stra­ße). Nicht nur die Schnaken neh­men sich in der Regenzeit die Frei­heit zu stechen, wen sie wol­len. Irgendwie bekom­men wir im Lau­fe der Füh­rung den Eindruck, dass der Stra­ßenna­me unse­ren Kunstmäzen, der als Bauin­ge­nieur einst gu­tes Geld ver­dient ha­be, prägt: er nimmt sich die Frei­heit, uns inmit­ten hun­der­ter Bil­der zu erklä­ren, dass die Erde konstant von UFOs besucht wer­den würde, wir die­se zwar nicht sähen, aber am Schwefelge­ruch er­ken­nen könn­ten. Er selbst beobachte sie häu­fig von sei­nem Ober­ge­schoss aus, wie sie sich mit Lichtge­schwindig­keit über dem Meer beweg­ten. Hoppla! Haben wir das ge­rade rich­tig verstan­den? Ach, wenn doch nicht die­se lästi­gen Moskitos uns so plag­ten, wir hät­ten noch so vie­le Fra­gen an unse­ren so lie­benswür­di­gen Füh­rer gehabt, des­sen Mut­ter im übri­gen ei­ne gu­te Freundin ­der letz­ten Sekretä­rin Hitlers ge­we­sen sei ...
 
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