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Gringostorys aus der Karibik

Christian Hugo (63), deut­scher Auswan­de­rer und Buchau­tor, hat ein neu­es literari­sches Werk über das Alltagsle­ben von Resi­den­ten in der Dom­Rep her­aus­ge­ge­ben. In zehn amüsan­ten Erzählun­gen skizziert er Allzumenschliches zwi­schen den "Grin­gos" und ih­ren Gast­ge­bern - mal humorvoll, mal ironisch, aber im­mer wohlwol­lend - so wie sie das Leben schreibt: Auf der Suche nach der wah­ren Lie­be, den Umgang mit Behör­den o­der den Domi­ni­kanern selbst. Ein Buch, das al­le, die Land und Leu­te zu ken­nen glau­ben, und jene, die es noch ken­nenler­nen möch­ten, be­rei­chern wird...
(Books on Demand / 104 Seiten / 8,90 Euro)
 
Erzählung 4:
 

"Frisches Residentenblut"

 
Was so blutrüns­tig klingt ist ei­gent­lich eher symbolisch gemeint. Näm­lich, wie bewälti­gen Neuankömmlin­ge aus al­len Her­ren Län­dern die bürokrati­schen Hür­den, wenn sie sich hier auf Hispa­niola dau­er­haft nieder­las­sen wol­len? Denn län­ger als drei Mo­nate im Land blei­ben ohne Aufenthaltsge­nehmigung, das kos­tet spätes­tens bei der Ausrei­se im Flug­ha­fen Gebüh­ren und verursacht Disso­nan­zen im Umgang mit Behör­den. Also, nichts wie ran an die do­mi­ni­ka­ni­sche Immigra­tions­be­hör­de und die sogenann­te Resi­dencia be­antragt! So ge­sehen bedeu­tet der Ti­tel der Erzählung also: Wie kann man die Greenhör­ner zur Kas­se bit­ten? Vie­le "Gutmen­schen" möch­ten da­bei hel­fen und im Umgang mit den Einwan­derungsbe­hör­den vermit­teln. Man lernt sehr schnell, wieso sich so vie­le Leu­te andie­nen. Von der hilfsbe­rei­ten Kneipen­be­kannt­schaft bis zum gut bestall­ten Notar o­der Rechtsanwalt, der ge­gen sat­te Honorarfor­de­rung ei­ne Kontaktper­son in San­to Do­min­go damit beauftragt, die Unter­la­gen zu beschaf­fen. Dies kann sich un­ter Umstän­den über ein zwei Jah­re hinzie­hen, ohne dass man ei­nen Schritt wei­ter gekom­men ist. Umso wich­ti­ger ist es daher, die Erfahrun­gen er­folgrei­cher Resi­den­ten zu nutzen, die ei­nem gut be­kannt sind. Aber Vorsicht ist ge­bo­ten, es sind nicht nur Domi­ni­ka­ner, die hier ei­nen sat­ten Zusatzver­dienst wit­tern! Wohlgemerkt, sich auf ei­ge­ne Faust im Einwan­derungsamt bewe­gen und zu hof­fen, dass man zur Zufrieden­heit be­dient wird, das ist ei­ne Illu­sion, be­son­ders wenn man die Cedula (Per­so­nalausweis) und die Resi­dencia (Aufenthaltsge­nehmigung) zum ers­ten Mal be­antragt. Zunächst sind die Plastikkar­ten ein Jahr gül­tig. Da­nach er­hält man - wiederum nach ei­nem Durchlauf durch die Beamtenmühle - die Cedula für sechs Jah­re und die Resi­dencia für zwei Jah­re. Dann geht das Procede­re wie­der los. Übri­gens nach drei Mo­na­ten Anwe­sen­heit im Land ver­lan­gen die Domi­ni­ka­ner auch ei­nen do­mi­ni­ka­ni­schen Führerschein von Grin­gos. Wenn Sie sich fra­gen soll­ten, wieso nicht ein­mal ein Inter­na­tio­na­ler Führerschein ausreicht, dann soll­ten Sie kurz in­nehal­ten und über­le­gen. Die Ant­wort wer­den Sie selbst fin­den: Sie sind Grin­go o­der Gringa! Alles klar?
 
Ein Auszug:
 
... Mit dem Taxi geht es in Wildwestma­nier zur aus­ge­la­ger­ten Röntgenabteilung in ei­nem Contai­ner mit stolzen 10 qm. Und von dort zum Fotografie­ren in ei­nem Copy­shop. Halt mal, Senor, wir ha­ben je­de Menge Passfotos aus der Heimat mitgebracht, der in­ter­na­tio­na­len isometri­schen Norm ent­sprech­end und sch...teu­er! Aber nein, die Domi­ni­ka­ner wol­len doch auch was ver­die­nen. Sag es lie­ber nicht! Ist al­les Ent­wick­lungs­hilfe, was wir da machen bzw. ge­schehen las­sen. So, das war es fürs Erste, beschied sie Milagros spä­ter in der Behör­de, sie hat­te die bei­den Map­pen für Hans und Inge mit al­lem komplettiert, was ih­rer Meinung nach für die Antrags­stellung vonnö­ten war. Über Bratwürste von ei­nem deut­schen Metz­ger an der Nordküs­te würde sie sich freu­en, wenn sie das nächste Mal, in drei Mo­na­ten, zur Finalisie­rung des Ver­fah­rens, sprich zur Entge­gennah­me der Plastikkar­ten kä­men. Ach ja, und noch­mals die glei­che Sum­me an USD soll­ten sie mitbrin­gen. Das war so aus­gemacht. Doch Inge und Hans wuss­ten auch, dass solche Prei­se nur we­ni­ge Resi­den­ten be­zah­len kön­nen, ob mit o­der ohne Schlepper. Milagros stieg in ih­ren höchstens ein Jahr al­ten Nissan Patrol mit Leder­ausfüh­rung ein, di­rekt ne­ben der Eingangshal­le geparkt, wo sonst niemand an­ders parkie­ren durfte als viel­leicht der Chef der Behör­de. Don­ner­wet­ter! Als sie ge­gen 14 Uhr ih­ren „Arbeitsplatz“ ver­ließ, hat­te sie zuvor zwi­schen zehn und fünfzehn Resi­den­ten durchge­schleust. Und Hans und Inge nah­men an, al­le wa­ren zufrie­den. Denn kaum jemand, der das zum ers­ten Mal macht, kriegt das al­lein hin. Mit dem 15-Uhr-Bus nach Haus, um achte abends in den Pool. Eine Über­nach­tung in San­to Do­min­go war nicht nö­tig. Die­ses war der erste Streich. Pünkt­lich drei Wochen spä­ter er­folgte die Auffor­de­rung, wie­der nach SD zu kom­men. Lei­der klappte es diesmal noch nicht, denn nach­dem sie drei Stun­den mit den ca. 100 an­de­ren Resi­den­ten, auf die Auswei­se ge­war­tet hat­ten, kam die frustrie­ren­de Durchsage im War­ter­aum, dass die Drucker für die Plastikkar­ten aus­gefal­len sei­en. Milagros kam so­fort auf ihre „Schäfchen“ zu, um ih­nen kla­ren Wein über den Vor­gang einzuschenken ...
 
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