B U C H V O R S T E L L U N G

 

Gringostorys aus der Karibik

Christian Hugo (63), deutscher Aus­wande­rer und Buchau­tor, hat ein neues literarisches Werk über das Alltagsle­ben von Residen­ten in der Dom­Rep her­aus­ge­geben. In zehn amüsan­ten Er­zählun­gen skizz­iert er Allzumenschliches zwi­schen den "Gringos" und ih­ren Gastgebern - mal humorvoll, mal iro­nisch, ab­er immer wohlwollend - so wie sie das Leben schreibt: Auf der Suche nach der wah­ren Liebe, den Um­gang mit Be­hör­den oder den Do­mi­ni­ka­nern selbst. Ein Buch, das al­le, die Land und Leute zu ken­nen glauben, und je­ne, die es noch kennenler­nen möch­ten, be­rei­chern wird...
(Books on Demand / 104 Seiten / 8,90 Euro)
 
Erzählung 2:
 

Einkauf mit Folgen

 
Die Liechtenstei­ner An­na und Ur­s, vor 25 Jah­ren aus­ge­wandert, le­ben zufrie­den zwi­schen Ca­ba­re­te und Sosúa. Ab­er all ihre Er­fahrun­gen und Kenntnis­se nützen ih­nen nichts an die­sem Tag, als sie aus dem Parkplatz vor dem Su­per­markt Yanets in Ca­ba­re­te aus­parken wol­len. Jeep ge­gen Motoconcho: Wer wird obsiegen? Die Omnipräsenz die­ses Vehikels ist nicht zu über­sehen! Setzen Sie sich nur ei­ne Stun­de an ei­ne viel be­fahrene Straße und Sie wis­sen Be­scheid! Funk­tionie­ren wenigstens die Leuch­ten und Blinker? Mit­un­ter. Gibt es Rück­spiegel? Mit­nich­ten. Hof­fen wir mal, dass wenigstens die Bremsen funk­tionieren! Jedoch was nützt die­ses Wis­sen? Es bleibt ei­nem kei­ne Wahl. Man muss sich auf das auf do­mi­ni­ka­ni­schen Stra­ßen praktizier­te Spiel der Kräfte al­ler Ver­kehrs­teil­neh­mer einlas­sen! Um es einmal milde aus­zudrücken: Au­to­fah­ren in der Dom­Rep ist ein Ab­enteuer. Ohne äußerste Konzentra­tion ge­ht nichts! Wäh­rend die wach­s­en­de Mit­telschicht über funk­tionier­en­de Signalge­ber, Be­leuchtung und Spiegel an ih­ren häu­fig teu­ren Pkws ver­fü­gen, ist das bei vie­len Lkws kaum der Fall - und eben nur sehr sel­ten ­bei den Mil­lio­nen Motoconchos. Ver­ges­sen wir ab­er ei­nes nicht! Ein Do­mi­ni­ka­ner mit Motoconcho ist ein zufriede­ner Mann! So be­wegt er sich denn auch im Ver­kehr: selbstzufrie­den, zumal wenn er PS-starke Jeeps - rechts oder links - über­ho­len kann, egal wie dick der Ge­gen­ver­kehr ist! Ampel rot - Un­fall droht? "Nicht für un­s", mei­nen die Domimän­ner. Helme trägt man, wenn über­haupt, in der Hand, auch wenn man ab und an die Fah­rer mit drakonischen Geld­stra­fen auf Linie zu brin­gen ge­willt ist!
 
Ein Auszug:
 
...Sie woll­ten nur eben mal die Mo­natsrechnung be­glei­chen, die von Edenorte, dem Strom­erzeu­ger mit Monopol an der Nord­küste, Epizentrum des do­mi­ni­ka­ni­schen Strom­ver­sagers (Schreibfehler und Ironie sind be­absich­tigt), dann wa­ren sie noch eben in der Scotia­bank zum Geld­abheben. Un­d je­tzt hat­ten sie gerade ih­ren Wocheneinkauf er­ledigt, ... Sie wa­ren vor fünfundzwanzig Jah­ren auf die In­sel ge­kom­men. Wer Ur­s und An­na kennt, kann sich glück­lich schätzen, denn die bei­den hat­ten trotz oder ge­rade we­gen ih­res fortge­schritte­nen Alters ei­nen un­schätzba­ren Fundus an Kenntnis­sen über Land und Leute. ... Zuhause in Liechtenstein hat­ten sie Jahrzehnte lang ei­ne er­folgrei­che Reiseagentur ge­managt. Mit sechzig sagte der hoch­ge­wach­sene Ur­s zu sei­ner Frau: "Es reicht. Jetzt wird nicht mehr malocht. Ab sofort wird ge­lebt. Wir ziehen in die Ka­ri­bik, ich hab die Schnauze voll. Von der Nässe und Kälte sowieso!" Un­d so ge­schah es. ... All ihre Er­fahrun­gen nütz­ten ih­nen nichts, nun, da sie ih­ren klein­en wei­ßen Jeep an die­sem spä­ten Nach­mit­tag ge­rade aus dem Parkplatz vor Yanet steuern woll­ten, sachte und mit Be­dacht, wie es sich für Senio­ren ziemt. ... an die­ser Stel­le der Haupt­straße, die von Samana über Sosua und Puerto Plata nach San­tiago führt. Wer die­se chaoti­sche Ge­mengelage rund um die ca. sieben Parkplätze für Pkw, 5-10 ge­park­ten Motoconchos und je­de Menge Fuß­gän­ger kennt, der weiß, dass man froh sein kann, mit heiler Haut auf die Haupt­straße rauszukom­men. ... Sie hat­ten sich also kaum an die Car­re­tera 5 heran­getas­tet, als das Un­heil schon auf sie zu­gedonnert kam. Ein "abgaswolkenfreudiges" Motoconcho, ei­nes von Mil­lio­nen auf der In­sel, mit ei­nem jun­gen, allzu jun­gen Fah­rer, wie sich spä­ter herausstel­len sollte. Zehn Me­ter vor der Aus­fahrt grüßte er auf die an­dere Stra­ßen­seite hin­ü­ber, wo ein Dutzend Motoconcho-Taxis der Kund­schaft harr­ten. "Pass auf, Ur­s!" sagte An­na. Ur­s sah es in Sekun­denschnel­le, ab­er wie sollte er in ei­ner Zehntelsekun­de den Rück­wärtsgang einlegen? ...
 
Lesen Sie nächste Woche: "Heißt Ajona"
oder jetzt als gedrucktes Buch versandkostenfrei online bestellen