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Gringostorys aus der Karibik

Christian Hu­go (63), deutscher Aus­wande­rer und Buchau­tor, hat ein neues literarisches Werk über das Alltagsle­ben von Residen­ten in der Dom­Rep her­aus­gege­ben. In zehn amüsan­ten Er­zählun­gen skizz­iert er Allzumensch­lich­es zwi­schen den "Gringos" und ih­ren Gastgebern - mal humorvoll, mal iro­nisch, ab­er im­mer wohlwollend - so wie sie das Le­ben schreibt: Auf der Suche nach der wah­ren Liebe, den Um­gang mit Be­hör­den oder den Do­mi­ni­ka­nern selbst. Ein Buch, das al­le, die Land und Leu­te zu ken­nen glau­ben, und je­ne, die es noch kennenler­nen möch­ten, be­rei­chern wird...
(Books on Demand / 104 Seiten / 8,90 Euro)



Erzählung 1:
 

Der fliehende Holländer

 
Die Ge­schich­te spielt in Puerto Plata und be­schreibt ei­nen Aus­schnitt im Le­ben des holländis­chen Res­tau­rant­besitzers Ruud, der in 3. Ehe mit der ­halb so al­ten Do­mi­ni­ka­ne­rin Yadira ver­heira­tet ist. Stammgäs­te des Gastrono­men ver­su­chen ih­ren Landsmann über ei­ne heik­le An­ge­legen­heit zu in­formie­ren. Da­bei wol­len sie nur sein Be­stes. Do­mi­ni­ka­ne­rin­nen er­hof­fen sich nicht mehr und nicht weni­ger als ein biss­chen Sicher­heit und Komfort. Wer könn­te ih­nen dies ­ver­denken? Al­so ge­hen sie Be­ziehun­gen ein mit Residen­ten, die ih­nen das bie­ten kön­nen und wol­len. Das sind oft­mals Gringos höhe­ren Alters, meist grö­ße­ren Bauchumfan­ges, dafür ab­er pral­len Portemonnaies. Da­bei be­to­nen die Da­men, dass sie von ih­ren ei­ge­nen männ­lichen Landsleu­ten nichts hal­ten. Letz­te­re kümmer­ten sich, so sa­gen sie, eher um die Pfle­ge ih­rer Motoconchos als um die Ver­sorgung ih­rer Kin­der und das Wohlergehen ih­rer Partnerin­nen. Un­d da es an der Nord­küs­te we­der aus­rei­chend noch gut be­zahl­te Ar­beits­plätze gibt, sind Gringos folg­lich häu­fig die letz­te Hoffnung. Falls sich je­doch ei­ne Do­mi­ni­ka­ne­rin für den Augenblick gut ver­sorgt sieht, wird sie un­ter Um­stän­den ih­re Liebesdiens­te reduzie­ren, al­so ih­ren Grin­go an der lang­en Lei­ne hal­ten. Nicht al­le Män­ner merken das. Und falls nicht früh­zei­tig dage­gen ge­steuert wird, ist grin­go ver­lo­ren im Fangnetz sei­ner Morena. Zu­min­dest be­rich­ten manche Residen­ten von derlei "Komplika­tionen". An­dererseits existie­ren lang­jähri­ge Be­ziehun­gen zwi­schen Do­mi­ni­ka­ne­rin­nen und Gringos oh­ne grö­ße­re Pro­bleme. Nur, wie es halt so ist, die negativen Episo­den spre­chen sich herum, von den positiven hört man kaum. Un­d ei­ne "Schadensstatistik" gibt es nicht. Doch ver­ges­sen wir nicht, je­de 3. Ehe in Deutsch­land ge­ht zu Bruch. Wie­so al­so der Auf­stand?
 
Ein Auszug:
 
"Ruud wog wohl un­ter 50 kg. Man sah ihn nie es­sen und trinken in seinem ei­ge­nen Res­tau­rant. Fast konn­te man mei­nen, er tat das nicht, damit er ne­ben sei­ner zier­lichen karibis­chen Schön­heit, die sein drittes Ehele­ben be­glück­te, nicht auf­fiel. Yadira war 27 Jah­re, er dop­pelt so alt. Wer den klein­en Hollän­der kann­te, hielt ihn für magenkrank, - das zer­furch­te Ge­sicht schien darauf hinzuweisen. In Wirk­lich­keit ab­er fehl­te Ruud nicht das Ge­rings­te. Viel­leicht sah er auch nur des­halb so ver­härmt aus, wei­l ihn das Le­ben mit sei­nen bei­den er­s­ten Ehefrauen so mit­genom­men hat­te. ... Yadira, pfleg­te ih­ren Mann zu Zei­ten im Res­tau­rant aufzusu­chen, wo mög­lich­st vie­le hungri­ge, be­s­ser ge­sagt dursti­ge Hollän­der an der Bar rumhin­gen. Ihr Mann ver­sorg­te sie liebevoll mit Delikates­sen und fütter­te die klein­e Alma, ihr "echtes ge­meinsames Oeuvre", wie die sachkundi­gen Landsleu­te zu ver­sichern wuss­ten. ... Ei­nes Ab­ends saß die jun­ge Mama da und aß zerstreut ­vor sich hin. Un­d der stolze Papa sah ihn nicht, den gieri­gen Blick von Joop, ei­nes an­ge­b­lich ehemali­gen Kunstdozen­ten der Amsterdamer Un­i­ver­si­tät. Ei­ner der vie­len Residen­ten, die ih­ren Job in der Heimat quitt­iert hat­ten, wei­l sie sich dem Stress des moder­nen Be­rufsle­bens nicht län­ger ge­wach­sen fühl­ten. Joop hat­te sich als Sing­le und sparsamer Hollän­der ein klein­es Ver­mö­gen zu­s­am­me­n ge­spart, das ihm als 60-jährigem Frührent­ner ein an­ge­nehmes Le­ben auf Hispaniola er­mög­lichen soll­te. Vor vier Jah­ren auf die In­sel ge­kom­men, war er zehn Jah­re äl­ter als un­ser Pro­tagonist. Bei seinem je­tzi­gen Job als Kunstgewerbehändler in Puerto Plata hät­te er hunder­te Do­mi­ni­ka­ne­rin­nen ha­ben kön­nen. Ab­er nein, es muss­te un­bedingt die Frau von Ruud sein! Zu­min­dest dach­ten die Stammgäs­te dies. Un­d sahen die Katastrophe kom­men..."
 
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